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Überzeugend (vor)gespielt – Anzeichen für Unterstützung?

"Mein Mami/Papi spielt uns etwas vor". Dies ist eine Aussage, welche wir hin und wieder zu hören bekommen. Angehörige von betagten Menschen kennen das Gefühl, dass mit ihren Familienmitgliedern etwas nicht mehr stimmt. Oft kann dieser Eindruck nicht klar eingeordnet werden. Ältere Menschen legen sich selbst kaum je Rechenschaft darüber ab, dass nun der Punkt erreicht wäre, Hilfe in Anspruch zu nehmen. "Es god mer jo no guet".

Ins Heim will man ja auch nicht ...

Lebenssituationen sind so unterschiedlich wie die sich darin befindenden Menschen, gerade in Bezug auf Gewohnheiten und Vorlieben.

Bei älteren Menschen in den "eigenen vier Wänden" können folgende Anzeichen auf eine zunehmende Unselbstständigkeit, gar Hilflosigkeit hinweisen:

  • Termine werden mehrfach nicht oder verspätet wahrgenommen
  • Zimmerpflanzen erhalten "zu viel oder zu wenig Zuwendung"
  • Körperpflege wird vernachlässigt (e.g. Haare fettig, strähnig)
  • Ungeöffnete Postsendungen und Mahnungen häufen sich
  • Dieselben Kleider mit denselben Schmutzflecken werden getragen
  • Unsaubere, zuweilen schmuddelige Wohnung

Selbst bei Paarbeziehungen sind gewonnene Eindrücke und Aussagen des jeweilig anderen mitunter vorsichtig zu werten. "Papi ist immer noch ganz sicher mit dem Auto unterwegs". Er fährt indessen nur noch am Tag. Diverse Kratzer am Lack des Wagens sprechen eine andere Sprache. "Mami kocht so fein ...". Jedoch wird die Tatsache verkannt, dass das "Café complet" zum ständigen Dauerbrenner verkommen ist. Die vorgespielte Lebenssituation entspricht oftmals nicht den tatsächlichen Gegebenheiten. Vielfach werden unangenehme Umstände negiert oder beschönigt. Wunschvorstellung und Realität klaffen zunehmend auseinander.

Der Verlust von Selbstständigkeit im Alter erfolgt meist schleichend und wird von Betroffenen oft verdrängt oder beschönigt. Kleine Veränderungen im Alltag können jedoch deutliche Hinweise auf zunehmende Hilfsbedürftigkeit sein. Für Angehörige ist es deshalb wichtig, genau hinzusehen und Beobachtungen ernst zu nehmen. Frühzeitige umfassende Unterstützung bedeutet dabei nicht Verlust von Würde oder Selbstbestimmung, sondern ist ein wesentlicher Garant für mehr Sicherheit, Entlastung und Lebensqualität.